BAG: Fortbildungskosten zur Erzielung von Zwischenverdienst bei unwirksamer Kündigung / BAG: Expenses for further training to achieve interim earnings in case of ineffective dismissal

Macht ein Arbeitnehmer nach gewonnenem Kündigungsschutzprozess Annahmeverzugslohn gel­tend, so muss er sich den während des Rechts­streits erzielten Zwischenverdienst anrechnen lassen. Von seinem Zwischenverdienst kann er solche Aufwendungen abziehen, die der Erhaltung seiner bisherigen Qualifikation dienen, nicht je­doch solche, die seine Qualifikation erhöhen.


1. Sachverhalt


Die Parteien streiten um Annahmeverzugslohn. Der Beklagte ist Insolvenzverwalter des ehemaligen Ar­beitgebers, bei dem der Kläger als Pilot angestellt war. Nach arbeitgeberseitiger Kündigung – deren Unwirksamkeit mittlerweile gerichtlich festgestellt wurde – hatte der Kläger eine anderweitige Beschäf­tigung aufgenommen, mit der er im streitgegenständ­lichen Zeitraum circa EUR 37.700 brutto verdiente. Der Annahmeverzugslohn bei seinem ehemaligen Arbeitgeber betrug in dieser Zeit ungefähr EUR 40.000 brutto. Außerdem absolvierte der Kläger auf eigene Kosten zum Preis von etwa EUR 22.000 eine Fortbildung, den sogenannten Erwerb der Musterberechtigung für bestimmte Flugzeugtypen. Hierzu hatte der Kläger ein entsprechendes Darlehen bei einer Bank aufgenommen. Ohne diese Qualifikation hätte er seine neue Stelle nicht antreten können, da der Flugzeugtyp, den er bei seinem bisherigen Ar­beitgeber geflogen hatte, bei dem neuen Arbeitge­ber nicht eingesetzt wurde.


Das Arbeitsgericht Stuttgart wies die auf Zahlung von Annahmeverzugslohn sowie hilfsweise Erstattung des Darlehens gerichtete Klage ab, das LAG Baden-Württemberg hat den geltend gemachten Annahmeverzugslohn abzüglich des um die Fortbildungskos­ten geminderten Zwischenverdienstes zugesprochen.


2. Entscheidung


Auf die Revision des Beklagten hat das Bundesar­beitsgericht mit Urteil vom 02.10.2018 (5 AZR 376/17) den Zwischenverdienst vollständig vom Annahme-verzugslohn abgezogen, ohne die Kosten für den Erwerb der Musterberechtigung anzurechnen. Den Hilfsantrag auf Erstattung der Darlehenskosten hat das BAG abgewiesen.


Der Kläger habe keinen Anspruch auf Aufwendungsersatz in Höhe der Fortbildungskosten. Nicht jegliche Aufwendungen für eine weitere Berufstätigkeit des Arbeitnehmers seien zwischenverdienstmindernd anzuerkennen. Es müsse unterschieden werden zwischen Aufwendungen, die erforderlich sind, um im Rahmen der bisherigen Qualifikation des Arbeitneh­mers einer weiteren Erwerbstätigkeit fachkundig und sachgerecht nachgehen zu können, und solchen, die im Sinne einer Fortbildung die Qualifikation des Ar­beitnehmers erhöhen, ohne dass diese Qualifikation zur Ausübung der vertraglich geschuldeten Tätigkeit benötigt wird. Letztere dienten dazu, den „Marktwert“ auf dem Arbeitsmarkt zu erhöhen, ohne dass die hierbei erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten dem Arbeitgeber unmittelbar zugutekämen. Derartige Kosten könne der Arbeitnehmer nicht erstattet ver­langen. Auch die Aufnahme des Darlehens sei nicht im Interesse des Arbeitgebers erfolgt, sondern habe ausschließlich dem eigenen Interesse des Arbeit­nehmers gedient. Daher könne er auch hierfür keinen Aufwendungsersatz verlangen.


3. Praxishinweis


Die Entscheidung des BAG entspricht dem Sinn und Zweck der gesetzlichen Regelung des § 11 KSchG zur Anrechnung auf entgangenen Zwischenverdienst. Der Arbeitnehmer soll im Fall einer unwirksamen Kündigung für die Zeit nach der Entlassung so ge­stellt werden, als hätte das Arbeitsverhältnis fortbe­standen. Die vom hiesigen Kläger absolvierte Fortbil­dung war jedoch gerade nicht auf den Fortbestand des Arbeitsverhältnisses gerichtet, sondern verschaff­te ihm eine zusätzliche Qualifikation, die er aus­schließlich bei anderen Arbeitgebern einsetzen konn­te. Die Erstattung derartiger Kosten liefe im Ergebnis auf eine Besserstellung des gekündigten Arbeitneh­mers hinaus, die mit dem Zweck des Annahmeverzugslohns nicht vereinbar wäre.


_______________________________________________________________________________


If an employee claims remuneration for default of acceptance after having won his dismissal protec-tion suit, he must allow the interim earnings achieved during the legal dispute to be taken into account. He may deduct from his interim earnings expenses which serve to maintain his previous qualification, but not expenses which increase his qualification.


1. Facts


The parties are arguing about remuneration for de-fault of acceptance. The defendant is the insolvency administrator of the former employer with whom the plaintiff was employed as a pilot. After termination by the employer – the ineffectiveness of which had meanwhile been determined by court – the plaintiff had taken up other employment, with which he earned approximately EUR 37,700 gross during the period in question. His former employer’s default of acceptance during this period was approximately EUR 40,000 gross. In addition, the plaintiff completed a further training course at his own expense at a price of approximately EUR 22,000, the so-called acquisition of the type rating for certain aircraft types. For this purpose, the plaintiff had taken out a corresponding loan from a bank. Without this qualification, he would not have been able to take up his new position, as the aircraft type he had flown with his previous employer was not used by the new employer.


The Labour Court Stuttgart dismissed the action for remuneration for default of acceptance and, alterna-tively, for reimbursement of the loan; the State Labour Court Baden-Wuerttemberg awarded the alleged payment less the interim earnings reduced by the training costs.


2. Ruling


In response to the defendant’s appeal, the Federal Labour Court, in its judgment of 2 October 2018 (5 AZR 376/17), fully deducted the interim earnings from the remuneration for default of acceptance without crediting the costs of acquiring the type rating. The Court rejected the alternative application for reimbursement of the loan costs.


The plaintiff is not entitled to reimbursement of ex-penses in the amount of the training costs. Not all expenses for a further professional activity of the employee should be recognised as reducing inter-mediate earnings. A distinction must be made be-tween expenses which are necessary in order to be able to pursue further gainful employment within the framework of the employee’s previous qualification and those which increase the employee’s qualifica-tion in the sense of further training without this qualifi-cation being required for the exercise of the contractually owed activity. The latter served to increase the plaintiff’s „market value“ on the labour market without the employer benefiting directly from the knowledge and skills acquired. Such costs cannot be reimbursed by the employee. The loan had also not been taken out in the employer’s interest, but had served exclu-sively the employee’s own interest. Therefore, he could not demand reimbursement of expenses for this either.


3. Practical note


The decision of the Federal Labour Court corresponds to the purpose of the legal regulation of § 11 Employment Protection Act (Kündigungsschutzgesetz – KSchG) for offsetting against lost interim earnings. In the event of an ineffective termination, the employee shall be placed in the same position for the period after the dismissal as if the employment relationship had continued. However, the further training com-pleted by the local plaintiff was not aimed at the con-tinuation of the employment relationship, but provid-ed him with an additional qualification which he could only use with other employers. The reimbursement of such costs would result in an improvement of the position of the dismissed employee, which would not be compatible with the purpose of the remuneration for default of acceptance.